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Mühlacker liegt mitten im alten Rom

Ausstellung in der Sparkasse offiziell eröffnet – Ehrenamtliche Archäologen bewahren Fundstücke für die Nachwelt

Ehrenamtliche Spurensucher (v. li.): Edelgard Gressert-Seidel, Sonngard Bodner, Ulrich Kramer, Erwin Bronn und Wolfgang Rieger vom Historisch-Archäologischen Verein Mühlacker gehen in ihrer Freizeit der römischen Vergangenheit Mühlackers auf den Grund.Bei der offiziellen Eröffnung der Ausstellung „Römer in Mühlackers Mitte“ in der Kundenhalle der Sparkasse haben die Redner, darunter Oberbürgermeister Frank Schneider, das Engagement des Historisch-Archäologischen Vereins Mühlacker gewürdigt.

Mühlacker. Einmal mehr ist der 1999 gegründete Verein als Bewahrer von Mühlackers historischem Erbe in Erscheinung getreten. Mit einem verständnisvollen Baggerführer im Rücken, der den Aushub für den neuen Bio-Markt auf dem Sämann-Grundstück an der Goethestraße unter Zeitdruck durchzuführen hatte, sicherten Mitglieder des Historisch-Archäologischen Vereins sozusagen in letzter Minute zahlreiche Fundstücke, die wiederum mehr Licht in Mühlackers römische Vergangenheit bringen. In der Sparkasse werden die Fundstücke in diesen Tagen zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert (unsere Zeitung hat bereits berichtet).

Nach der Ausstellung gehen die Relikte des römischen Lebens als Dauerleihgabe an das örtliche Heimatmuseum. „Etwa einen Tag hat der Aufbau der Ausstellung gedauert, rund elf Monate hat es für die Konzeption und praktische Vorbereitung gebraucht“, berichtete Sonngard Bodner vom Historisch-Archäologischen Verein. „Zudem hatte das Landesdenkmalamt ein wachsames Auge auf uns. Unsere Arbeit wurde begutachtet und ,abgesegnet‘.“

Fachleute sind überzeugt: In Mühlacker schlummert noch mehr im Boden

Die Bruchstücke einer Amphore, die in der Antike als Einwegverpackung genutzt wurde, habe Restauratorin Bettina Bombach-Heidbrink in viermonatiger mühevoller Arbeit zusammengesetzt, machte Bodner die Anstrengungen im Vorfeld deutlich. Neben den in Vitrinen ausgestellten Fundstücken, wie zum Beispiel Scherben von Gebrauchskeramiken, geben zahlreiche Tafeln einen geschichtlichen Überblick über die Zeit der Römer in der Region Pforzheim – römisch: Portus –  und Mühlacker. Wie der römische Name für die heutige Senderstadt lautete, konnte bislang noch nicht ermittelt werden.

Anhand der Funde muss es sich aber schon damals um eine größere Siedlung gehandelt haben. Umliegende Gutshöfe waren für die Versorgung der Bewohner mit Lebensmitteln zuständig. „Der Verein hat sich seit seiner Gründung vor elf Jahren als kompetente Institution für Mühlackers Vergangenheit erwiesen“, betonte die begeisterte Hobbyarchäologin Bodner.

Dr. Britta Rabold von der Denkmalpflege beleuchtete in ihrem Vortrag die römischen Einflüsse in der Region und zeigte sich überzeugt, dass sich noch viel mehr Potential in Mühlackers Boden entdecken lasse. „Die Menge der Fundstücke zeigt, dass wir uns hier mitten in einer alten Bebauung befinden“, stellte sie fest und äußerte die dringende Bitte, bei größeren Bauvorhaben ihr Amt unbedingt zu informieren, um mögliche Funde rechtzeitig zu sichern.

Ulrich Kramer, Vorsitzender des Historisch-Archäologischen Vereins, nutzte die Ausstellungseröffnung, um die letzte Rate des Darlehens von 100000 D-Mark, das die Stadt einst dem Verein für die Sanierung der Enzberger Villa rustica gewährt hatte, zurückzuzahlen. Das Land, die Stadt und der Verein hatten die Kosten für die Ausgrabungen, die sich auf rund 500000 D-Mark beliefen, unter sich aufgeteilt.

Konnte sich der Besucher auf der einen Seite der Kassenhalle mit geschichtlichen Zahlen und Fakten auseinandersetzen, so lud auf der anderen Seite ein reichhaltiges „römisches kaltes Buffet“ zum Kosten ein. Manfred Rapp vom Naturkostladen „Grünes Blatt“ in Dürrmenz hatte es, mit Unterstützung eines in römischer Küche bereits erfahrenen Teams, nach Originalrezepten von Cato dem Älteren (150 v. Ch.) zusammengestellt. Dazu reichte er einen Elbling, den Wein einer geschichtsträchtigen Rebe, die nachweislich schon die alten Römer anbauten, oder das Getränk Mulsum, einer römische Weinzubereitung mit Honig, die als lebensverlängernd galt.

(Mühlacker Tagblatt vom 18. November 2010, Text und Foto: Eva Filitz)

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