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Grabsteine mit besonderer Symbolik

Ein Spaziergang über den Biedermeierfriedhof neben der Sankt-Andreas-Kirche

Biedermeier Friedhof Sankt Andreas 1795 bis 1886

Der Biedermeierfriedhof neben der Sankt Andreas Kirche ist eine Oase der Ruhe mitten im
Ortskern. „Eine kleine, grüne Lunge mit intakter Natur“, beschreibt Wolfgang Rieger vom
Historisch-Archäologischen Verein Mühlacker das Kleinod.

Das Besondere an diesem Ort sind die Grabsteine, die überwiegend aus der Biedermeierzeit stammen. Der kleine Friedhof war jahrelang in einen Dornröschenschlaf versunken, nachdem er 1890 zugunsten des St. Peter Friedhofs nicht mehr für Bestattungen genutzt wurde. Diesen Umstand ist es zu verdanken, dass der Sankt Andreas Friedhof mit einigen seiner Gräbern aus der Zeit von 1795 bis 1886 erhalten geblieben ist. Zehn Grabsteine wurden vor 20 Jahren mit großem Aufwand konserviert. Viele Symbole und Sprüche, die aus heutiger Sicht ungewöhnlich anmuten, sind dort zu finden.  Mehrere Grabsteine sind in Form von Säulen zu sehen, die wie abgebrochen aussehen. „Ein Säulenstumpf stellt einen abgebrochenen Baum dar“, erklärt Rieger. Auf einem weiteren Stein ist ein Schmetterling und eine Raupe zu finden, die den Zyklus des Lebens symbolisieren. Eichenblätter oder Eicheln stehen für die Unvergänglichkeit und eine umgedrehte Fackel, die ebenfalls auf mehreren Grabsteinen zu finden ist, steht als Symbol für das Verlöschen des Lebens.

„Jedes Mal, wenn ich hierher komme, entdecke ich etwas Neues“, beschreibt Rieger den reichen Fundus der Grabmale. Kenner der Dürrmenzer Geschichte wissen zu manchen Gabsteinene auch Familiengeschichten zu erzählen. Dazu gehört beispielsweise der älteste Grabstein von 1795 im hinteren Bereich  des Friedhofs, auf dem ein Bild eines pausbackigen Engels die abflugbereite Seele symbolisiert. Der Grabstein ist für Rosina Zeller errichtet worden, die drei Monate nach ihrer Hochzeit mit 20 Jahren an Tuberkulose gestorben ist. „Ihr Ehemann war Pfarrer in Dürrmenz und heiratete später die Tochter von Justinus Kerner“, weiß Rieger zu berichten. Eine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger ist auf dem Grabstein von Gottfried Bofinger aus dem Jahr 1834 zu finden. Die Inschrift verrät, dass Freunde und ehemalige Schüler ihm für seine 38-jährige Tätigkeit als Lehrer dankten.

Ein weiterer Stein wurde von Dekan Johann Ludwig Lenz 1826 für seine Frau und seine Tochter errichtet, die im Abstand von nur einer Woche starben. In der Dürrmenzer Geschichte hat sich der Dekan durch die Gründung einer Baumschule, in der er Schneiden und Veredeln lehrte, verdient gemacht. Viele weitere interessante Informationen zu den beerdigten Persönlichkeiten, deren Familien oder der Symbolik der Abbildungen sind bei fachkundigen Führungen zu erfahren, die immer wieder über die Volkshochschule in Mühlacker angeboten werden.

(Mühlacker Tagblatt vom 2. November 2010, Text: Claudia Keller; Foto: Tilo Keller)

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