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Funde aus Römerzeit ausgestellt

Historisch-Archäologischer Verein bewahrt Geschichte – Ausgrabung der „Villa rustica“ abbezahlt

MÜHLACKER. Heimatgeschichte zu bewahren, hat sich der Historisch-Archäologische Verein (HAV) Mühlacker mit seinen Vorsitzenden Gernot Denda (links) und Wolfgang Rieger auf die Fahne geschrieben. Das Engagement um den römischen Gutshof „Villa rustica“ begründete den Verein.

Geschafft: Im November bezahlt der Historisch-Archäologische Verein die letzte Rate für das Darlehen zur Ausgrabung der Villa rustica in Enzberg zurück. Darüber freuen sich die Vorsitzenden Gernot Denda (links) und Wolfgang Rieger.„Am 16. November bezahlen wir die letzte Rate von 7000 Euro unseres Darlehens für die Archivierung der Villa rustica“, freuen sich vom HAV die Vorsitzenden Wolfgang Rieger und Gernot Denda. Neben ihnen sind Christiane Bastian-Engelbert und Ulrich Kramer vertretungsberechtigte Vorstandsmitglieder.

Vom 16. bis zum 26. November präsentiert der HAV die Ausstellung „Römer in Mühlackers Mitte“ in der Kundenhalle der Sparkasse Pforzheim Calw. Darin werden römische Scherben gezeigt, die 2009 bei Bauarbeiten auf dem Sämann-Parkplatz in Mühlacker gefunden wurden. Neben Pforzheim als Verwaltungssitz (Civitas Portus) sei Mühlacker bei den Römern eine stadtähnliche Siedlung (Vicus) gewesen, deren Versorgung von umliegenden Gutshöfen (Villae rusticae), wie der Villa rustica in Enzberg sichergestellt wurden, berichten Rieger und Denda.

Vergangenes Jahr feierte der HAV sein zehnjähriges Bestehen. „Es ist wichtig, regionale Geschichte ins Bewusstsein zu rücken“, sagt Rieger. Er gehört zu den Gründungsvätern des Vereins. Seit 2002 ist Denda dabei. „Mich interessiert Geschichte“, begründet der Senderstädter sein Vereinsengagement.

Bei Straßenbauarbeiten für die neue Ortsumgehung von Enzberg (B10) wurden 1997 die Reste der vier Gebäude des ehemaligen Gutshofes in Enzberg entdeckt. „Villa rustica ist die Bezeichnung für römische Gutshöfe um 100 bis 110 nach Christus“, erklärt Rieger. Über den Apotheker und damaligen Stadtrat Dieter Eberle wurde er auf die Funde aufmerksam. „Wir mussten etwas unternehmen, dass die Funde erhalten bleiben und bekannt werden“, blickt Rieger zurück. Die Funde sollten damals zugeschüttet und bebaut werden, berichten Rieger und Denda. Unter dem Motto „Rettet die Römer“ habe sich zuerst eine Bürgerinitiative und dann 1999 der HAV mit damals 60 Mitgliedern gegründet. Heute zählt der Verein 150 Mitglieder. Die Kosten für die Ausgrabung von einer halben Million damals noch D-Mark verteilten sich auf das Landesdenkmalamt, die Denkmalstiftung, die Stadt Mühlacker und den HAV, der 100 000 Mark von der Stadt als Darlehen bekam. „Wir haben den Betrag dann so zurückgezahlt wie es ging“, erklärt Rieger. Sieben Tafeln erzählen in Enzberg die Geschichte der Ruinen des alten Gutshofes. Nach Bedarf finden dort Führungen statt. In dem alten Brunnen fanden sich damals sogar Teile einer römischen Jupitersäule.

Denkmäler, nicht nur aus der Römerzeit zu bewahren, ist das Anliegen des HAV. Am 29. Oktober präsentiert der Verein mit der Andreasgemeinde im Gemeindehaus Dürrmenz den Vortrag „Zucht und Unzucht“ von Wolfgang Schöllkopf über Pfarrer Johann Jakob Rues aus Dürrmenz, der als erster Pietist von Württemberg gilt.

(Pforzheimer Zeitung vom 15.10.2010, Text und Foto: Ilona Prokoph)

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