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Römische Köpfe im Herzen der Stadt

Der Historisch-Archäologische Verein überreicht der Stadt Nachbildungen der vor zwölf Jahren in Enzberg entdeckten Fundstücke

Der Historisch-Archäologische Verein (HAV) hat der Stadt Mühlacker Abgüsse zweier Römerköpfe geschenkt. Die beiden Nachbildungen erweitern die Römerabteilung des Heimatmuseums. Dort begrüßten der Mühlacker OB Frank Schneider und Museumsleiterin Adelheid Teschner die Neuzugänge.

OB Frank Schneider (li.) und die Leiterin des Heimatmuseums Adelheid Teschner präsentieren die Abgüsse der Römerköpfe. Wallinger

Mühlacker. „Mühlacker war früher eine wichtige Römerstadt – leider ist davon heute kaum noch etwas erkennbar“, bedauert Wolfgang Rieger, Schatzmeister und Vorstandsmitglied des Historisch-Archäologischen Vereins. Die römische Besiedlung des Mühlacker Umlandes begann etwa 100 Jahre nach Christus. Mühlacker fungierte als wichtige Station zwischen den großen Durchfahrtsstraßen Straßburg – Cannstatt und Wiesloch – Cannstatt, und auch die Enz sowie die fruchtbaren Böden ihres Umlandes waren für die Römer beste Argumente, Gutshöfe in dieser Region zu errichten. In Enzberg sind Teile eines ehemaligen Gutshof erkennbar. Im letzten Monat einer dreijährigen Notgrabung auf dem Gelände der Enzberger „Villa rustica“ stießen die Archäologen im November 2000 auf einen spektakulären Fund in den Tiefen eines Römerbrunnens: zwei Römerköpfe.

Vier lebensgroße Köpfe waren bei den Römern am Podest einer so genannten Jupitergigantensäule angebracht und standen jeweils für eine der vier Jahreszeiten. Während der römischen Besiedlung galten die bis zu acht Meter hohen Jupitergigantensäulen als Statussymbol von Gutsbesitzern. Die Säulen demonstrierten nicht nur Macht, sondern auch den göttlichen Schutz des Jupiters. Als die Römer ab etwa 262 nach Christus aus der Region abzogen, seien die Jupitersäulen gezielt abgetragen worden, informiert die HAV-Vorstandsvorsitzende Christiane Bastian-Engelbert, denn Hinterbliebene sollten nicht vom göttlichen Schutz, der den Säulen zugeschrieben wurde, profitieren.

Derzeit befinden sich die beiden Fundstücke im zentralen Fundarchiv Rastatt. Die Versuche des HAV, die Originale wieder zurück nach Mühlacker zu holen, waren bisher erfolglos. Die Objekte seien noch Bestandteil von wissenschaftlichen Forschungen, so heißt es. Da das Zentralarchiv jedoch an Fachkräftemangel leide, könne die Bearbeitung der Funde noch eine Weile dauern, erzählt Christiane Bastian-Engelbert. „Wir sind froh, dass wir wenigstens die Nachbildungen bekommen“, ergänzt Adelheid Teschner.

Allein in den Erwerb der Gussform investierte der Historisch-Archäologische Verein 1500 Euro. Steinbildhauer Christoph Lehr aus Elchesheim-Illingen stellte mit Hilfe der Vorlage zahlreiche Nachbildungen aus Kunststein und Gips her, die sich seit Dienstagvormittag in den Räumlichkeiten des Heimatmuseums befinden. Zwei dieser Exemplare bereichern die Römerabteilung, die anderen werden in Kommission mit Christoph Lehr zum Verkauf ausgestellt: Der HAV bekam zwei Nachbildungen zu vergünstigten Bedingungen, und im Gegenzug ist der Verein nun für den Vertrieb der restlichen Köpfe zuständig. Der Erlös geht an den Steinbildhauer.

Der erste Interessent und Käufer ist OB Frank Schneider, der schon bei der Gründung des HAV mit von der Partie war. Er entschied sich für zwei rote Römerköpfe und unterstützte den Verein mit einer Spende. „Mein herzlicher Dank geht an den Historisch-Archäologischen Verein. Sein großes Engagement, die Abdrücke der Jupiterköpfe zurück nach Mühlacker zu holen, macht es nun unseren Gästen möglich, römische Geschichte zu erlernen.“

Mit der Übergabe der Römerköpfe an das Heimatmuseum setzt der HAV ein Zeichen und versucht auf diese Weise, das Bewusstsein der Mühlacker Bürger für ihre römische Vergangenheit zu stärken. „In anderen Städten, die ebenfalls einmal von Römern besiedelt wurden, ist diese Vergangenheit in der Öffentlichkeit viel stärker sichtbar. Wir in Mühlacker sind diesbezüglich noch ein bisschen hinterher, obwohl Mühlacker mit seinen 300 Einwohnern im zweiten und dritten Jahrhundert nach Christus eine für die damaligen Verhältnisse große und wichtige Stadt war“, sagt Vorstandsmitglied Wolfgang Rieger und erläutert die Problematik, mit der sich der HAV befasst.

Auf seiner Internetseite gibt der Verein das Ziel aus, „archäologische Funde und historische Denkmäler (. . .) im Raum Mühlacker zu bewahren und das geschichtliche Interesse in der Öffentlichkeit zu wecken und zu stärken.“

Mit der Übernahme der beiden in Deutschland einzigartigen Fundstücke aus der Römerzeit ist das Heimatmuseum in Mühlacker um eine Attraktion reicher, auch wenn es nur Nachbildungen sind.

(Mühlacker Tagblatt vom 13. Juni 2012, Text und Foto: Daniel Wallinger)

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