| Historische
Schätze
werfen Fragen auf
Rundgang
durch Dürrmenz stößt auf großes
Interesse
Erst im Sommer war
mit der Entdeckung eines weiteren alten Bauwerkes die Geschichte
von Alt-Dürrmenz fortgeschrieben worden.
Das Gebäude in der Hofstraße 17 und das umliegende
Areal beschäftigte die Teilnehmer eines Rundganges nicht
nur aus historischem Interesse.
Mühlacker. Es stellte sich auch die Frage, inwieweit sich
die dortigen Funde auf die Ortskernsanierung auswirken.
Als Referenten für den "Historischen Rundgang durch
Dürrmenz" hatten die Mitglieder des Historisch-Archäologischen
Vereins den Archäologen und Fachwerkexperten Tilmann Marstaller
gewinnen können, der sich bereits durch seine Mitwirkung
bei der Sanierung der Burg Löffelstelz in Mühlacker
einen Namen machte.
Der Rundgang durch Alt-Dürrmenz unter fachkundiger Führung
stieß auf großes Interesse. Rund 40 Teilnehmer starteten
am Ausgangspunkt, für den Marstaller aus gutem Grund den
Friedhof beziehungsweise die Peterskirche gewählt hatte: "Wir
wollten zeigen, dass beide Seiten der Enz schon seit Urzeiten
zu Dürrmenz und damit zusammen gehören." Selbst
das ehemalige Dürrmenzer Rathaus und andere herrschaftliche
Bauten lagen einst auf dieser Seite der Enz, wie Marstaller im
weiteren Verlauf der Führung deutlich machte. Das ehemalige
Gasthaus "Sonne" in der Herrenwaagstraße, das
Welschdorf, das Pfarrhaus der Waldenser, der Bischoff-Wurm-Platz
sowie unter anderem die St. Andreas-Kirche bildeten weitere Stationen,
an denen der Experte die geschichtliche Entwicklung des Ortes
aufzeigte.
Von großem Interesse für die Teilnehmer war auch
das Gebäude in der Hofstraße 17, dessen historische
Bedeutsamkeit Tilmann Marstaller erst in diesem Sommer zufällig
entdeckte. Bei einem Rundgang durch Dürrmenz sah er, dass
sich unter dem Putz Fachwerk abzeichnete. "Die Bewohner
haben freundlicherweise nicht isoliert", stellte er mit
einem Lächeln fest. Aufgrund der Art des Fachwerkes datierte
er das mittlerweile unter Denkmalschutz stehende Haus um das
Jahr 1500: "So wie es aussieht, gehört es in die allererste
Phase des Wiederaufbaus nach der Zerstörung des Ortes durch
Herzog Ulrich 1504." Bislang war ein Gebäude in der
Brunnengasse aus dem Jahr 1594 für das älteste Haus
in Dürrmenz gehalten worden. Bis unter das Dach stiegen
die Interessierten mit Marstaller die alte Treppe hoch, um sich
das Fachwerk aus nächster Nähe anzusehen. Der Blick
aus dem Fenster fiel schon auf die nächste archäologische
Grabung. Im Garten des Hauses hatte das Landesamt für Denkmalpflege
eine Sondage durchführen lassen.
Bei einer räumlich begrenzten Grabung sollte festgestellt,
ob in der Erde weitere historische Schätze lagern. Dieses "kontrollierte
Graben" förderte, so Marstaller, eine reiche Abfolge
von Bauspuren zutage. Reste eines Fundamtes im Boden lassen auf
eine Bebauung im 13. beziehungsweise 14. Jahrhundert schließen.
Weitere Siedlungsspuren führten zurück bis in das Jahr
1000. Der Archäologe: "Es lohnt sich, hier zu graben." Es
handle sich um einen Sonderfall. Selten sei eine so große
Freifläche in einem historischen Ortskern zu finden.
Was aber heißt das für die Ortskernsanierung? "Kann
es zu Verzögerungen kommen?", fragte eine Teilnehmerin
des Rundganges. Die schloss Marstaller nicht aus. Allerdings
sei es eine Frage der Planung. "Der Fund ist historisch
bedeutsam, man kann ihn nicht einfach wegpacken", betonte
auch Dr. Folke Damminger von der Denkmalpflege im Regierungspräsidium
Karlsruhe auf Nachfrage unserer Zeitung. Da jedoch noch kein
Bebauungskonzept vorliegt, riet Damminger dazu, die eventuell
anstehenden Grabungen bei einem Wettbewerb "im Hinterkopf
zu halten". Grabungen des Denkmalamtes gebe es jedoch nur,
wenn bei Baumaßnahmen zum Beispiel für eine Tiefgarage
gegraben werde. Für Damminger sind die Funde vor allem von
lokalhistorischem Interesse. Der Sanierung jedoch stehe nichts
im Wege: "Es stellt sich nur die Frage, wie viel Zeit und
Geld man aufwendet, um die historischen Funde zu dokumentieren." Über
das weitere Vorgehen werde er in nächster Zeit mit der Stadtverwaltung
beraten.
(Mühlacker Tagblatt vom 29.09.2010, Seite 7, Text und
Foto: Ulrike Stahlfeld) |
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| Mit
Burgfräulein unterwegs
Tag
des offenen Denkmals – Führung durch die Senderstädter
Ruine Löffelstelz
MÜHLACKER. Im mittelalterlichen Gewand hat Sonngard Bodner
gestern knapp 20 Interessierte durch die Senderstädter Burgruine
Löffelstelz geführt. Beim Tag des offenen Denkmals
konnten sich die Gäste mit einem historischen Rundgang ein
Bild von vergangenen Zeiten machen. Bodner berichtete, dass eine
Art Burg am Platz der heutigen Ruine zum ersten Mal im zwölften
Jahrhundert erbaut worden sei. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts
entstand schließlich jene Burg, der die Senderstadt heute
ihr prägendes Stadtbild verdankt: die Löffelstelz.
Den Namen verdanke sie der Ähnlichkeit zu einem Löffelstiel.
22 Meter hohe Mauer
Wo sich heute nur noch vage erahnen lässt, wie hoch die
Mauer der Burg vor der Zerstörung gewesen sein muss, erhob
sich diese im 13. Jahrhundert ganze 22 Meter hoch. Ein Feind
musste diese erst einmal passieren, was sich als unmöglich
darstellte. Selbst Langbogenpfeile konnten dieses Hindernis
nicht
passieren. „Da sich der Fels stetig in Richtung Tal bewegt,
muss die Burg alle 40 Jahre renoviert werden“, sagte die
im rot-blauen Leinenkostüm gekleidete Sonngard Bodner den
Teilnehmern.
Weitere Führungen im Rahmen des Tages des offene Denkmals
gab es mit Gerlinde Dauner in der Frauenkirche in Lienzingen.
Dazu fand ein Konzert des musikalischen Sommers statt. Durch
die römische Villa Rustica in Enzberg führten Edelgard
Gessert-Seidler und Manfred Rapp.
Ein weiterer Programmpunkt war das historische Maschinen- und
Kesselhaus am Bahnhof Mühlacker. Bei der Ausstellung „Modelleisenbahn
in Betrieb“ konnten die Besucher Fakten zum historischen
Bahnhofsstandort der Senderstadt erfahren. So war Mühlacker
in der Rangfolge nach Stuttgart und Ulm einzuordnen. Zwei eigene
Bahnhöfe – ein württembergischer und ein badischer
mit jeweils einer Drehscheibe – sicherten früher den
Grenzverkehr
und zahlreiche Arbeitsplätze.
(Pforzheimer Zeitung vom 13.09.2010, Seite 24, Text u. Foto:
Miriam Fuchs) |
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| Bahnhof mit wechselvoller Historie
Verkehrswege stehen am Tag des offenen Denkmals im Mittelpunkt
Mühlacker. "Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und
Verkehr" lautete das Thema des diesjährigen bundesweiten
Tags des offenen Denkmals. Bei den vom Historisch-Archäologischen
Verein organisierten Veranstaltungen in Mühlacker standen
unter anderem die Bedeutung der Enz als Verkehrsweg und die Historie
des einstigen Mühlacker Grenzbahnhofes im Mittelpunkt.
Tatsächlich verlief die Geschichte des Mühlacker
Bahnhofes alles andere als alltäglich. Und so erfuhren die
Zuhörer vom VCD-Landesvorsitzenden Matthias Lieb so manche
Kuriosität. Scheinen sich die Württemberger und Badener
auch heutzutage nicht immer ganz grün zu sein, so sind sie
sich doch mittlerweile einig, was die Uhrzeit angeht. Das war
nicht immer so.
Vielmehr gingen die Uhren in Württemberg anders als in
Baden mit der Folge, dass es im Mühlacker Grenzbahnhof unterschiedlichen
Zeiten gab: die Stuttgarter Zeit für die württembergischen
Züge und die Karlsruher Zeit für die badischen Züge.
Dazwischen lagen drei Minuten. Das änderte sich erst 1892
mit der Einführung der Mitteleuropäischen Zeit.
Lieb blickte in seinem Vortrag im Ausstellungsraum des Modelleisenbahnclubs
Mühlacker, dem historischen Maschinen- und Kesselhaus am
Bahnhof, zurück bis in die Planungsphase des Mühlacker
Bahnhofes. Und die verlief auch nicht reibungslos, da verschiedene
Interessen unter einen Hut gebracht werden mussten.
Die Akteure im Spiel waren demnach das Königreich Württemberg, das
Großherzogtum Baden, die württembergischen Städte Heilbronn,
Calw und die badischen Städte Bretten, Mannheim und Pforzheim. Lieb: "Es
gab sehr unterschiedliche Interessen - auch innerhalb der jeweiligen Länder
- und einen langen Streit über die beste Streckenführung." Die
badischen und württembergischen Ingenieure hätten sich zwar schon
1844 auf die Trasse über Bruchsal und Bretten geeinigt. Die Politik sollte
aber noch einige Jahre benötigen.
Mit Aufnahme des Zugbetriebes 1853 wurde auch eine Postkutschenverbindung
zwischen Mühlacker und Pforzheim, später sogar bis
Wildbad, eingerichtet. Vom Bahnhof Maulbronn (heute: Maulbronn
West) gab es Postkutschenverbindungen nach Knittlingen und Maulbronn.
Lieb: "Heute, 157 Jahre später, möchte man auch
wieder mit der Buswendeplatte eine Busverbindung nach Maulbronn
herstellen." 1863 erfolgte der Bau der Anschlussbahn von
Pforzheim. Mühlacker wird Badisch-Württembergischer
Grenzbahnhof. Selbst der Orientexpress machte hier Halt.
Heutzutage stellt der Bahnhof einen Knotenpunkt im Regional-
und Nahverkehr dar. Er ist, wie Lieb ausführte, Drehscheibe
des ÖPNV im östlichen Enzkreis. Bis heute fehle der
behindertengerechte Ausbau.
Über die bauliche und eisenbahntechnische Vergangenheit
des Grenzbahnhofes mit seinen acht Stellwerken hatte eingangs
Karl Pritzl in einer Führung informiert. Im Ausstellungsraum
des Modelleisenbahnclubs war außerdem die Ausstellung "Modelleisenbahn
in Betrieb" zu sehen.
Zu weiteren Führungen am Tag des offenen Denkmals wurde
in Mühlacker auf der Burg Löffelstelz, in der Lienzinger
Frauenkirche und der Villa Rustica in Enzberg geladen.
(Mühlacker Tagblatt vom 13.09.2010, Seite 14, Text und
Foto: Ulrike Stahlfeld) |
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| Vom
Löffelstiel zur
Löffelstelz Trotz
Urlaubszeit und sommerlicher Hitze erfreut sich die Burgführung einer großen
Beliebtheit
In früheren Jahrhunderten musste sich die Anlage gegen
ungebetene Besucher zur Wehr setzen, doch seit ihrer Sanierung
empfängt die Burgruine Löffelstelz hoch über Mühlacker
gerne ihre Gäste. Das Interesse am Wahrzeichen der Stadt
ist ungebrochen.
Mühlacker. Die Besucher, die an den Sonntagen, wenn die
Burgruine geöffnet ist, in das Innere strömen, kommen
längst nicht nur aus Mühlacker. "Zunehmend besuchen
auch Auswärtige die Burg", berichtet Sonngard Bodner
vom Historisch-Achäologischen Verein Mühlacker.
Bei den sonntäglichen Führungen hat sie bereits Gäste
aus Iptingen, Vaihingen und Pforzheim durch die Ruine geführt,
deren Überreste von einer wechselhaften Geschichte berichten.
Bei Sonngard Bodner lernen die Teilnehmer "Steine zu lesen".
Die Burgwächterin lenkt den Blick auf Details. Drei schwere
Gesteinsblöcke an exponierter Stelle, ein Fenster aus gotischen
Zeiten - aus Einzelheiten lässt sich die Historie der Burg
wie ein Mosaik zusammensetzen. Wie groß das Interesse am
historischen Erbe ist, zeigte sich wieder am vergangenen Sonntag.
Trotz Urlaubszeit und hochsommerlicher Hitze kamen mehr als 20
Besucher, um an der kostenlosen Führung teilzunehmen. "Wir
kennen die Burg bis jetzt nur von außen", erzählte
Ruth Flügge aus Schmie.
Sie hat die Sanierungs- und Grabungsarbeiten der Scherbabuzzer
mit Interesse in der Zeitung verfolgt. Das historische Gemäuer
nun mit eigenen Augen und im Detail zu sehen, sei aber noch einmal "etwas
ganz anderes". Je nach Wetter zählt Sonngard Bodner
an manchen Öffnungstagen bis zu 100 Ausflügler.
Nach der Führung macht sie ihren Zuhörern schnell
noch einen Besuch im Heimatmuseum schmackhaft. Dort sind etliche
der bei den Grabungen zutage geförderten historischen Fundstücke
ausgestellt.
Bis zurück in das zehnte beziehungsweise elfte Jahrhundert
reicht die Geschichte der Burg mit dem im Volksmund doch eher
ungewöhnlichen Namen Löffelstelz. Woher der stammt?
Sonngard Bodner kennt auch die dazu passende Episode. Früher,
so erzählt sie, sei die Enzstraße ein eigenständiges
Dorf gewesen. Weil sich die Ortschaft aber an der Enz entlang
zog, hätten sie die Menschen im Mittelalter mit dem Spitznamen
Löffelstiel bedacht - und da war es bis zur Löffelstelz
nicht mehr weit.
Spannende Geschichten über die Burg und die Menschen ihrer
Zeit gibt es auch am "Tag des offenen Denkmals" am
Sonntag, 12. September, zu hören. Weil der Aktionstag unter
der Überschrift "Historische Handelswege, Verkehrswege
und Pilgerwege" steht, wird in Kostümführungen
der Burganlage in enger Beziehung zur Enz als Verkehrsweg auf
den Grund gegangen. Sonngard Bodner: "Eventuell ist die
Burg nur deshalb hier entstanden, weil es auf Höhe der Lomersheimer
Friedhofskapelle eine Furt gab."
Die letzte kostenlose Führung vor der Winterpause findet
am vierten Sonntag im September um 15 Uhr statt. Den offiziellen
Abschluss der Saison bildet dann die Burgöffnung beim Dürrmenzer
Herbst im Oktober mit speziellen Aktionen.
(Mühlacker Tagblatt vom 24.08.2010, Seite 9, Text und Fotos: Ulrike
Stahlfeld) |
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Bauforscher
erkundet das alte Dürrmenz
Tilman
Marstaller fördert für sein Gutachten auch
bislang verborgene Schätze zutage
Das Alte
muss dem Neuen weichen: Nach diesem Motto treibt die Stadt
Mühlacker den Neuanfang im Dürrmenzer Ortskerns
voran. Bevor jedoch die Abrissbagger rollen, gilt es, das historische
Erbe für die Nachwelt zu bewahren - zumindest in Form einer
umfassenden Dokumentation.
Mühlacker. Die wahren Schätze schlummern häufig
im Verborgenen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Haus Hofstraße
17, das unter dem Arbeitstitel Areal Kazenmaier in den Besitz
der Stadt gewechselt ist, dem Laien lange Zeit unspektakulär
erschien und sich unverhofft als das vermutlich älteste
Haus in ganz Dürrmenz erwies; erbaut kurz nach der Zerstörung
des Ortes durch Herzog Ulrich 1504.
Herausgefunden hat das der Archäologe und Bauforscher Tilmann Marstaller,
der schon im Zuge der Burgsanierung für die Stadt tätig war und derzeit
die Bausubstanz im alten Herzen von Dürrmenz begutachtet und dokumentiert.
Schattenhafte Konturen an der Wand, in denen sich das unter Putz liegende Fachwerk
andeutete, gaben ihm einen ersten Hinweis auf die Bedeutung des Anwesens an
der Hofstraße. Von einem Abriss ist keine Rede mehr.
Im Gegensatz zu vielen anderen Objekten im Viertel zwischen
Hofstraße, Bischof-Wurm-Platz und Brunnengasse stand die
Nummer 17 bislang nicht einmal unter Denkmalschutz. Während
die Zukunft dieses baulichen Zeitzeugen gesichert ist, hängt
für andere Gebäude - auch solche von heimatgeschichtlicher
Bedeutung - vieles von den weiteren Verhandlungen der Stadt mit
den Investoren und dem Denkmalschutz ab. "Natürlich
prallen in einem Sanierungsgebiet wie diesem verschiedene Interessen
aufeinander", macht sich der Experte Marstaller nichts vor.
Bemerkenswert sei die Größe des Gebiets, das neu überplant
werden soll. "Wir reden von einem Viertel des alten Ortskerns."
Das ehemalige Gasthaus Kanne mit seinem traditionsreichen Festsaal,
das Gebäude des zwischenzeitlich umgesiedelten Unternehmens
Eisen Schuler mit seiner markanten Fassade, der mächtige
Komplex an der Ecke Wiernsheimer Straße und Brunnengasse,
in dem einst die legendäre Gaststätte "Schwarzer
Adler" untergebracht war - das alte Dürrmenz hat viele
interessante Gebäude zu bieten. Zwar will Tilmann Marstaller
vor Abschluss seiner Untersuchungen keine Bewertungen zu einzelnen
Objekten abgeben, doch in einem dürfte er mit vielen Dürrmenzern übereinstimmen:
Ideal wäre es, wenn das gewachsene Bild des Ortskerns entlang
der Wiernsheimer Straße und Brunnengasse erhalten bliebe.
Allerdings müssten sich dafür die Investoren, denen
für Neubauprojekte der Innenbereich bliebe, zu einer Sanierung
der alten Bausubstanz bereit erklären. Im Fall der Kanne
hatte sich kein solcher Interessent gefunden.
Gezählt sind vermutlich auch die Tage eines alten Magazins
hinter dem ehemaligen Eisen Schuler. Auch wenn dem Fachmann beim
Gedanken an ein Ende des imposanten Fachwerkkomplexes das Herz
bluten mag: Der Aufwand für eine Sanierung und einen Umbau
für eine neue Nutzung dürfte jedem Geldgeber zu groß sein.
Umso wichtiger ist es dem Bauforscher, dass eine umfassende Bestandsanalyse,
inklusive genauer Vermessungen, für die Nachwelt erhalten
bleibt, damit spätere Generationen die Ortsgeschichte in
allen Facetten nachvollziehen können. "Wir zeigen,
wie früher gewohnt wurde, und das Stadtarchiv zeigt, wer
hier gewohnt hat."
Der Idealfall
wären Investoren,
die Alt und Neu
harmonisch in Einklang bringen
Marstallers Gutachten ist eine Bedingung des Denkmalschutzes
für den Neuanfang, der vielen in Dürrmenz nicht schnell
genug geht. Was letztlich überleben und was weichen soll,
wird sich in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz und den Investoren
entscheiden, die in zentraler Lage neue Wohnanlagen für
junge Familie und für betreutes Seniorenwohnen bauen sollen. "Es
gibt immer wieder Anfragen, was dort möglich ist",
berichtet Winfried Abicht nach einer längeren Vorgeschichte
von einem regen Interesse an Dürrmenz.
Entsprechend optimistisch ist Abicht, was den weiteren Werdegang
des Sanierungsgebiets betrifft. "Die dicksten Bretter sind
durchgebohrt", stellt Bürgermeister Abicht im Rückblick
auf die zähen Verhandlungen um den Aufkauf von Grundstücken
und Gebäuden fest. Für den Großteil der Mieter
seien bereits neue Wohnungen gefunden. Die Stadt habe damit den
freien Zugriff auf die "Schlüsselgrundstücke" und
könne in den nächsten Monaten im Kontakt mit mutmaßlichen
Investoren und in den Beratungen im Gemeinderat die Weichen im
Detail stellen: "Wo soll was von wem gebaut werden." Der
Idealfall wären Investoren, die Alt und Neu harmonisch in
Einklang bringen.
Weil noch einiges an Arbeit ansteht, will die Stadt einen Antrag
auf Verlängerung des Landessanierungsprogramms stellen,
das offiziell zum Jahresende 2011 ausläuft. Parallel zu
den weiteren Planungen könnten nach Einschätzung Abichts
noch in diesem Jahr die ersten Abbrucharbeiten beginnen - und
ganz Dürrmenz wird, wie Tilmann Marstaller, gespannt verfolgen,
was stehen bleibt und was weichen muss.
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| Spurensuche in Dürrmenz: Archäologe
und Bauforscher Tilmann Marstaller aus Rottenburg-Oberndorf
dokumentiert im Auftrag der Stadt die Bausubstanz im alten
Ortskern. Ein historisches Schmuckstück ist das Gebäude
Hofstraße 17. Dunkle Schatten an der Stirnwand, in
denen sich die besondere Struktur des unter Putz liegenden
Fachwerks abzeichnet, haben den Fachmann auf das unscheinbare
Objekt aufmerksam gemacht - und tatsächlich: Das Anwesen
aus den Anfangsjahren des 16. Jahrhunderts, unten eine Innenansicht,
ist eines der ältesten Häuser überhaupt in
Dürrmenz und wird im Zuge der Neugestaltung der Ortsmitte
in jedem Fall erhalten bleiben. |
Spurensuche im Untergrund
Archäologen graben im alten Dürrmenzer
Ortskern
Mühlacker. Während Bauforscher Tilmann Marstaller
- siehe Artikel oben - an der Oberfläche bleibt, gehen die
Archäologen dem alten Dürrmenz auf den Grund. Seit
knapp fünf Wochen graben sich Jutta Ritz und Rüdiger
Staub Schicht für Schicht hinab in den Untergrund des alten
Ortskerns, immer auf der Suche nach Relikten aus den frühen
Jahren der Besiedlung.
Der Einsatz im Auftrag des Regierungspräsidiums, der angesichts
des geplanten Neuanfangs in Dürrmenz die Spuren der Vergangenheit
sichern soll, ist nicht vergeblich geblieben. Unter anderem sind
die Fachleute auf dem Gelände hinter der Hofstraße
17 auf Überreste alter Mauern gestoßen und auf eine "Brandschicht",
die von einstigen Zerstörungen zeugt. Die Vermutung: Die
Bruchstücke könnten noch älter sein als das Haus
Hofstraße 17, das nach der Zerstörung durch Herzog
Ulrich von Württemberg 1504 entstand. Oder aber, sie zeugen
unmittelbar von den Verwüstungen, die der Überfall
hinterließ.
Für ihre Untersuchungen haben die Experten einen "Profilgraben" angelegt,
um den Untergrund zu sichten, und hinter dem Haus Hofstraße
17 zwei rechteckige, wenige Quadratmeter große Gruben ausgehoben,
in denen die Archäologen - symbolisch gesehen - hinabsteigen
ins mittelalterliche Dürrmenz. Noch muss wegen der Ausgrabungen
die Geschichte nicht umgeschrieben werden. "Die bisherigen
Funde", sagt Rüdiger Staub, "bestätigen,
was wir bisher wissen." Unter anderem gibt es Hinweise auf
ein so genanntes "Grubenhaus", und das bislang älteste
Fundstück ist die Scherbe eines Kruges oder Topfes, die
auf das 9. oder 10. Jahrhundert datiert wird.
Nach den bisherigen Eindrücken liegt der Verdacht nahe,
dass unter der Oberfläche weitere unentdeckte Schätze
schlummern. "Eine großflächige Grabung",
sind Ritz und Staub überzeugt, "wäre ergiebig."
Vorerst allerdings ist der Einsatz in Dürrmenz begrenzt;
in zwei Wochen sollen die Ausgrabungen zu Ende gehen. Ob sich
bis dahin ermitteln lässt, ob das alte Herzstück von
Dürrmenz tatsächlich - wie vermutet wird - von einem
Ortsgraben umzogen war, ist fraglich. Die Entscheidung über
weitere Einsätze auf den Freiflächen des Ortskerns
fällt anschließend in Abstimmung des Regierungspräsidiums
mit der Stadt. Fest steht bereits, dass die Ergebnisse der Dürrmenzer
Spurensuche im Jahresband "Archäologische Ausgrabungen
in Baden-Württemberg" vorgestellt werden.
Fundstück: Grabungsleiterin
Jutta Ritz zeigt die Scherbe eines Kruges, die wahrscheinlich
aus dem 9.
oder 10. Jahrhundert
stammt.
Info: Turmenz und Dorminca
Eine Urkunde
vom 4. August 779 besagt, dass ein gewisser Hagino dem
Kloster Lorsch Güter zu Dürrmenz schenkt
(urkundliche Ersterwähnung von Dürrmenz als "Turmenz" oder "Dorminca" im
Lorscher Codex). Um die Mitte des 12. Jahrhunderts erscheinen
urkundlich erstmals die Herren von Dürrmenz durch
die Erwähnung der Andreaskapelle als ihrer Eigenkirche.
Die Burg Dürrmenz, später "Löffelstelz" genannt,
wird im 13. Jahrhundert wahrscheinlich von Heinrich I.
von Dürrmenz erbaut. Der Weiler Mühlacker ("Mulnagger")
ist erst 1292 urkundlich nachzuweisen. Mit der Übergabe
des Klosters an Herzog Ulrich 1504 werden auch die Klosterdörfer
Dürrmenz und Mühlacker württembergisch.
Stadtarchiv Mühlacker |
(Mühlacker Tagblatt vom 20.08.2010, Seite 9, Text
und Fotos: Thomas Eier)
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Führung
ruft Erinnerungen wach
"Gängeles- und Stäffelesrundgang" macht die Entwicklung
der Stadt Mühlacker sichtbar
Der Tourismus in
Mühlacker bekommt neue Impulse. Geschulte
Stadtführer haben sich in der Stadt auf Entdeckungsreise begeben
und bringen nun ihr Wissen unters Volk. "Gängele und
Stäffele" standen bei der jüngsten Führung
auf dem Programm.
Mühlacker. Im einstigen Weiler Mühlacker, zwischen Enz
und drei Bächen gelegen, wuchs mit der verstärkten Ansiedlung
von Industriebetrieben und der Zunahme der Bevölkerung der
Bedarf an neuen Wohngebieten. Straßen wurden mitunter erst
angelegt, nachdem Häuser bereits gebaut waren, die bis dahin über
kleine Fußwege, sogenannte "Gängele" und "Stäffele" verbunden
gewesen waren.
Viele dieser alten Verbindungen sind bis heute erhalten. Jetzt
machten sich 77 neugierige Teilnehmer auf die Spuren dieser alten
Wege. Stadtführer Manfred
Kugler hatte einen Rundgang mit zwölf Stationen ausgearbeitet. Seine Kollegin
Doris Ulrich reichte ihm als "wandelndes Archiv" an jedem Haltepunkt
die passenden Fotografien des alten Mühlacker aus ihrem Fundus.
"Ein alter Stich, auf dem das Türmchen der Kelter klar erkennbar ist,
und das Foto von etwa 1850 machen deutlich, dass fast alles von Alt-Mühlacker
unter der B10, dem heutigen Rathaus und dem Mühlehof verschwunden ist",
begann Kugler und weckte sofort Erinnerungen bei seinen Zuhörern. "Weißt
du noch, das Café Central und der alte Mühlehof?", "Da
drüben stand doch die Schmidt-Schmiede, oder?", war in der Runde zu
hören. Ein Pferdegespann ist auf dem Foto zu sehen, auf dem Weg zur Bauerschen
Mühle. Vom Kelterplatz ging es hinauf zum Uhlandbau, der in 99 Tagen erbaut
wurde, "und von dem noch nie über Abriss geredet wurde", bemerkte
Kugler hintergründig.
Weiter dann zur Schillerstraße, über die Hindenburgstraße wieder
hinab zum Igelsbach, ein kleines Stück die Bahnhofstraße entlang und
links neben der Drehscheibe nochmals hinauf auf die alte Eisenbahnbrücke
zur Gedenkstätte von Pfarrer Anton Müller und dem ersten katholischen
Kirchle. Vor dort führte kein "Stäffele", sondern eine breite
Treppe zur Unterführung unter der Bahn. "Bahn und Post gehörten
einst eng zusammen", erzählte der Stadtführer und dröselte
Mühlackers etwas verwirrende badische und württembergische Bahngeschichte
auf. Der Bau der Bahn 1853 gab den Anstoß, dass sich das dörfliche
Mühlacker in ein städtisches verwandeln sollte.
Nächstes Ziel: die Lienziger Brücke, von dort über ein Stäffele
hinab in die Industriestraße, weiter über ein "Gängele" hinauf
ins Gebiet Goldshalde und dann noch ein Stückchen höher in das Lindach-Gebiet. "Diese
Höhenlage hat schon im 17. Jahrhundert der Türkenlouis - Erbauer der
Eppinger Linie - zu schätzen gewusst. Er baute dort, wo heute der Kindergarten
steht, eine Chartaque und eine zweite am heutigen Senderhang gegenüber",
berichtete Kugler.
Das nächste "Gängele" führte wieder hinunter in die
Kelterstraße, dem ehemaligen Vaihinger Weg, hinter dem ehemals noch ein
kleiner Bach floss und dann, am Ende der Kelterstraße, blieb nur noch ein
kleines "verwunschenes Gängele" mit ländlicher Idylle,
das kaum einer kannte.
Drei Stunden waren wie im Fluge vergangen, als die Führung zu Ende war.
Manfred Kugler hat es verstanden, in lebendiger Weise ein Stück Stadtgeschichte
aufzuarbeiten und seinen Zuhörern nahe zu bringen. Er machte Zusammenhänge
deutlich und zeigte anhand der heute noch erhaltenen Stadtvillen die vielfältige
Industriegeschichte der Stadt auf.
Den Niedergang oder Verfall bedeutender Industrien, die einst die treibende
Kraft für Mühlackers Fortschritt waren, so vorgeführt zu bekommen, stimmte
vor allem die älteren Teilnehmer wehmütig.
Mühlackers "braune" Vergangenheit oder die Geschichte der Kirchen,
aber auch heitere Episoden, wie die vom laut singenden Pfarrer Schmidt während
der evangelischen Gottesdienste im Saal des ehemaligen Gasthauses zum Bären,
haben den Teilnehmern interessante und berührende Einblicke in ihre reiche
Stadtgeschichte ermöglicht.
(Mühlacker Tagblatt vom 17.08.2010, Seite 9, Text und Foto: Eva
Filitz) |
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| Urweizen ist noch ein Geheimtipp Manfred
Rapp aus Dürrmenz befasst sich mit alten Getreidesorten
Mühlacker. Das Wissen der Verbraucher über das Grundnahrungsmittel
Getreide sei erschreckend gering, bedauert der Dürrmenzer
Manfred Rapp. Der Betreiber eines Naturkostfachgeschäftes
befasst sich schon längere Zeit mit weiteren Mitstreitern
aus dem Bio-Bereich mit alten Getreidesorten, dem Urgetreide.
In Dürrmenz und in der Nähe der Villa Rustica in Enzberg
hat Rapp drei kleine Urweizenfeldchen angelegt. Gestern Nachmittag
hatte der Dürrmenzer zu einer Informations-Radtour zu den
Urweizenfeldern eingeladen.
Manfred Rapp bedauert, dass die alten Getreidesorten, wie beispielsweise
der Emmer, in Vergessenheit geraten seien. Für die moderne
Landwirtschaft sei der Anbau nicht attraktiv. "Während
ein Hektar Weizenanbaufläche durchschnittlich sechs Tonnen
Ertrag bringt, sind es beim Dinkel rund 3,5 Tonnen, beim Emmer
aber höchstens zwei Tonnen", sagt Rapp. Emmer ist eine
Abart des Urwildeinkorns. Daraus entstand vor etwa 10000 Jahren
durch natürliche Kreuzung mit einer Grasart und anschließender
Chromosomenverdoppelung der Wildemmer. Der Dürrmenzer Geschäftsmann: "Der
Emmer ist der Vorläufer des Weizen."
In Anatolien, Rumänien und Ägypten werde der Urweizen
noch angebaut, erläutert Rapp. Er selbst habe das Saatgut
von einer Gendatenbank in Sachsen-Anhalt. Während Rapp vor
seinem Geschäft in Dürrmenz nur eine kleine Schaufläche
mit Urweizen hat, wird dieser im westlichen Enzkreis in größeren
Flächen von Hobby-Bauer Michael Vielsack in Ersingen angebaut;
ebenso von Bio-Bauer Gerhard Gay aus Nöttingen. Gay sei
der einzige Landwirt der Gegend, der Urweizen in größerem
Umfang anbaue, berichtet Rapp. Der Biobauer kommt ohne Pflanzenschutzmittel
aus. Rapp: "Die alten Getreidesorten sind, was die Schädlinge
betrifft, nicht so empfindlich wie die heutigen Sorten." Der
Nöttinger beliefert einen Pforzheimer Bäcker, der daraus
Backwaren aus Emmer, etwa Brot und Kuchen, herstellt.
In Kreisen der Naturkostfans habe sich längst herumgesprochen,
wie gesund Urweizen sei. Er schmecke vollmundig und nussig, meint
Emmer-Liebhaber Rapp. Dies hänge mit den Inhaltsstoffen
zusammen. Rapp geht davon aus, dass der Emmer die gleiche Erfolgsgeschichte
haben wird wie der Dinkel in den letzten 20 Jahren. Der Dürrmenzer
Naturkostfachmann: "Dinkel war früher ein Nischenprodukt,
was er heute nicht mehr ist." Die meisten Allergiker würden
biologisch angebauten Urweizen vertragen. Überhaupt sei
Weizen sehr gesund, meint Manfred Rapp. Er habe unter den Getreiden
die höchsten Gehalte der Nervenvitamine B1 und B3 sowie
Eisen, Magnesium und wertvolle Ballaststoffe. Diese Werte würden
jedoch nur für Vollgetreide gelten.
Bei seiner Radtour ging der Dürrmenzer Geschäftsmann
auch auf die aktuell in der Landwirtschaft eingesetzen Getreidesorten
ein. Damit hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, die Unterschiede
zwischen alten und neuen Sorten kennenzulernen.
(Mühlacker Tagblatt vom 07.08.2010, Seite 9, Text und Foto:
Gerhard Franz) |
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Neues
Bündnis will Kulturgut bewahren
Schwäbischer
Heimatbund stellt die Weichen für die Gründung
einer Regionalgruppe
Einen "weißen
Fleck" auf der Landkarte seiner Orts-, Stadt- und Regionalgruppen
will der Schwäbische Heimatbund tilgen. Der Verein plant
die Gründung einer Regionalgruppe Enz-Stromberg.
Mühlacker.
Vor rund 80 Zuhörern stellten der Vorsitzende Fritz-Eberhard
Griesinger und der Geschäftsführer Dr. Siegfried
Roth die Strukturen und Ziele des Schwäbischen Heimatbunds
in der altehrwürdigen Kelter vor.
Was aber könnte schwäbischer sein als die Mundartgedichte
von Josef Eberle, alias "Sebastian Blau", Schwabens größtem
Reimeschmied des 20. Jahrhunderts? Die erste Stunde gehörte
daher dem Rottenburger Rolf Schorp, der die hintersinnigen, schwäbisch-knitzen
und im breiten heimatlichen Dialekt verfassten Gedichte seines
Landsmanns nachgerade zelebrierte und den Dichter und Gründer
der Stuttgarter Zeitung, Josef Eberle, auf alten, längst verloren
geglaubten Tondokumenten selbst zu Wort kommen ließ.
Denkmalschutz, Naturschutz und Landesgeschichte: Auf diesen drei
Säulen ruht die Arbeit des Schwäbischen Heimatbunds,
der im vergangenen Jahr sein 100-jähriges Bestehen feierte
und der die Region Stromberg, Heuchelberg und Zabergäu zur
Kulturlandschaft des Jahres kürte. Die historische Kelter
von Mühlacker war für den Heimatbund kein Neuland. Auf
seine Einladung hin tagten hier im Juni 2009 Bürgermeister,
Stadtplaner, Archivare und Historiker zum Thema "Historische
Ortsanalyse". Er selbst, so Vorsitzender Griesinger, habe
sich 2008 die Arbeit der Scherbabuzzer vor Ort angesehen und bei
dieser Gelegenheit auch den Heimatbund vorgestellt. Mit dem Ergebnis,
dass eine Menge neuer Mitglieder gewonnen wurden. Auf "ungefähr
120 bis 150" schätzte er die Zahl derer, die derzeit
aus dem Raum Mühlacker dem Schwäbischen Heimatbund angehören.
Der Verein betreue und bewahre das von den Vorfahren hinterlassene
Kulturgut und gebe es an die nachfolgenden Generationen weiter.
Er organisiert Reisen, Vorträge, Seminare und Tagungen. Zusammen
mit dem Schwäbischen Albverein und dem Schwarzwaldverein erfasst
der Heimatbund die Kleindenkmale im Land. Er unterhält Arbeitskreise,
die sich mit der Geschichte, dem ländlichen Raum und dem Landschaftsverbrauch
auseinandersetzen, er fordert die Weiterführung der Ausgrabungen
an der Heuneburg und errichtet ein großes Naturschutzzentrum.
Mit der Gründung einer Regionalgruppe Enz-Stromberg, unterstrich
der Vorsitzende, wolle man den Initiativen vor Ort nichts "überstülpen",
sondern mit den vorhandenen Strukturen zusammenwirken und "den
lokalen Vereinen eine Resonanz auf Landesebene verschaffen".
Gemeint sind Institutionen wie die Scherbabuzzer, der Historisch-Archäologische
Verein oder der Heimatverein Lomersheim, deren Vertreter neben
vielen anderen zu den Besuchern der Auftaktveranstaltung gehörten.
(Mühlacker Tagblatt vom 8.05.2010, Seite 12, Text
und Foto: Rainer Appich) |
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Steine
geben Opfern Namen
Mühlacker
Schüler bringen sieben Schicksale ans Licht
Mit der Verlegung
weiterer Stolpersteine durch Gunter Demnig in Mühlacker
wird eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte
in der Stadt erhellt. Die Vorarbeit für die Aktion haben
Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums (THG) geleistet.
Mühlacker. Der Kölner Künstler Gunter Demnig
war am Dienstag bereits zum zweiten Mal in Mühlacker,
um die goldglänzenden Erinnerungssteine zu verlegen und
damit den bisher unbekannten Opfern der Nazi-Diktatur in Mühlacker
ein persönliches Denkmal zu setzen. Schlicht, aber umso
effektvoller wirken die kleinen Quadrate mit ihrer Inschrift,
die seit gestern weitere sieben leidvolle Schicksale für
die Passanten der Stadt greifbar machen. Die Vorarbeit für
die Verlegung der Steine haben Schüler des THG im Rahmen
ihres Seminarkurses Kunst/Geschichte geleistet. Sie recherchierten
in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv und dem Historisch-Archäologischen
Verein (HAV) die Biografien der Opfer (wir berichteten).
Während das Sammeln der Fakten und Daten ein langer Prozess
war, ging die abschließende Verlegung der Stolpersteine gestern
Nachmittag schnell über die Bühne. Künstler Gunter
Demnig, ausgestattet mit Maurerkelle, verschiedenen anderen Werkzeugen
und Knieschutz, brauchte nur wenige Minuten, um das Andenken an
die Opfer im Boden für die Ewigkeit einzulassen. Zigtausend
Steine hat er in Hunderten von Städten bereits verlegt und
dafür unter anderem 2005 den Verdienstorden der Bundesrepublik
Deutschland aus den Händen des Bundespräsidenten Horst
Köhler erhalten. In Mühlacker verlegte Demnig im Beisein
von 30 Zuschauern am Weg zur Löffelstelz, an der Enzstraße,
der Schulstraße und anschließend in Lomersheim vor
dem Rathaus sowie in der Herzenbühlstraße in Lienzingen
Stolpersteine.
Christiane Bastian-Engelbert vom HAV betonte gestern noch einmal,
wie wichtig die Erinnerungssteine sind. "Die Menschen haben
alle keinen Grabstein - heute bekommen sie einen, und dadurch sind
sie fortan in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit präsent." Aus
der Bevölkerung gebe es mit Blick auf die Stolperstein-Aktion
viel "positive Resonanz", sagte Bastian-Engelbert auf
Nachfrage unserer Zeitung. Sie habe im Vorfeld die Polizei über
die Stolperstein-Verlegung informiert, so das HAV-Mitglied. "Im
Osten verlegt Demnig nur unter Polizeischutz." Und in Lomersheim
gebe es ja auch eine rechte Gruppierung. Die Mühlacker Zwölftklässler
hätten im Rahmen der Aktion sehr viel bewegt, so Bastian-Engelbert. "Die
15 Schüler waren sehr kreativ."
Es sei schon etwas Besonderes gewesen, die Folgen der Nazi-Diktatur
vor Ort zu recherchieren. Deshalb, so der Gymnasiast Egemen Korkmaz,
hätten sie für die Ausstellung in der Stadtbibliothek
auch den Titel "Näher als man denkt - Schicksale im Nationalsozialismus" gewählt.
Die Ausstellung ist noch bis zum 4. Mai zu sehen. "Die Arbeit
war sehr spannend", sagte die 18-jährige Sophie Simons,
die mit ihrer Gruppe Zeitzeugen in Mühlacker befragt hat und
gestern jeweils eine weiße Rose auf die frisch verlegten
Stolpersteine legte.
Gymnasiasten skizzieren die Lebensschicksale
Beim Einlassen der Steine war auch Oberbürgermeister
Frank Schneider dabei, der die Schirmherrschaft für die
Aktion übernommen hatte. Der stellvertretende Tiefbauamtsleiter
Jörg Soulier war ebenso zugegen. Seine Abteilung hatte
die verschiedenen Stellen, an denen die Steine verlegt wurden,
für den Kölner Aktivisten vorbereitet. Auch THG-Schulleiter
Thomas Mühlbayer befand sich unter den Zuschauern. "Ich
bin stolz auf meine Schüler", sagte er und merkte
an, dass durch Projekte wie dieses das Leitbild der Schule,
zu dem unter anderem Toleranz als Grundwert gehöre, gelebt
werde.
Während Demnig sich an die Arbeit machte, wurde von einem
der THG-Schüler das Lebensschicksal des jeweiligen Opfers
kurz skizziert. Beim Auftakt der Aktion erfuhren die Zuschauer,
dass Friedrich Schwab, der zuletzt am Fußweg zur Löffelstelz
wohnte, nicht mehr am Krieg teilnehmen wollte und deshalb in der
Ukraine wegen "Wehrkraftzersetzung" erschossen wurde.
An sein Schicksal erinnert seit gestern ein kleiner Stein im Weg
zur Burgruine Löffelstelz.
(Mühlacker Tagblatt vom 28.04.2010, Seite 9, Text
und Foto: Maik Disselhoff)
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Ausstellung
erinnert an Nazi-Opfer
Menschen
aus Mühlacker ermordet – Gymnasiasten haben neue
Fakten zusammengetragen – Beitrag zu Stadtgeschichte
Schüler des
Theodor-Heuss-Gymnasiums haben Daten und Fakten für
eine Ausstellung über Menschen aus Mühlacker gesammelt,
die Opfer der Nazi-Herrschaft wurden. Gestern Abend fand
die offizielle Eröffnung in der Stadtbibliothek statt.
Mühlacker. Was die Besucher bis zum 4. Mai bei der Ausstellung „Näher
als man denkt – Schicksale im Nationalsozialismus“ in
der Bücherei während der üblichen Öffnungszeiten
mittels Bild- und Texttafeln lernen, ist ebenso beeindruckend
wie erschreckend. Vorgestellt werden Männer und Frauen,
die unter dem NS-Regime deportiert und getötet wurden.
An elf von ihnen erinnern bereits von dem Künstler Gunter
Demnig verlegte „Stolpersteine“. Jetzt haben 15
Zwölftklässler in einem Seminarkurs des Gymnasiums
unter der Leitung der Lehrer Isabelle Ziegler und Reinhard
Dieterich, unterstützt vom Mühlacker Stadtarchiv
und dem Historisch-Archäologischen Verein (HAV), in akribischer
Recherchenarbeit Material über weitere sieben Opfer zusammengetragen,
zu deren Gedenken am nächsten Dienstag, 27. April, Gunter
Demnig vor ihrem letzten Wohnort in Mühlacker, Lomersheim
und Liezingen abermals symbolische Stolpersteine in den Gehweg
einlassen wird.
Passanten werden so künftig auf grausame Verbrechen
hingewiesen und erfahren etwa, dass Richard Bertis als Kommunist
im KZ Heuberg landete und schließlich an den Folgen von
Misshandlungen durch Nazi-Schergen starb. Friedrich Schwab,
der vom Krieg genug hatte, wurde wegen „Wehrkraftzersetzung“ in
der Ukraine hingerichtet. Marthe Bracher starb an Diphtherie,
hervorgerufen wohl durch Impfversuche im KZ Struthof. Der in
eine so genannte „Heilanstalt“ eingewiesene Ernst
August Stumm fiel der Euthanasie zum Opfer. Die Roma Maria
Kreuz und ihr Sohn Paul wurden ebenso in Auschwitz ermordet
wie der Jude Toni Simon.
Oberbürgermeister Frank Schneider sprach am Donnerstagabend
von einer „ganz besonderen Ausstellung“ – zum
einen, weil darin „eines der dunkelsten Kapitel unserer
Geschichte“ behandelt werde, zum anderen, weil die mit
neuen Erkenntnissen aufwartende Ausstellung, zu der auch ein
Dokumentarfilm und Interviews mit Zeitzeugen gehören,
von Schülern zusammengestellt worden sei, die damit ihrerseits
einen Beitrag zur Stadtgeschichte geleistet hätten. Die
Bücherei sei der passende Ort, weil hier „alle Generationen
ein- und ausgehen“. Und gerade Jüngere fühlten
sich von einer optischen Darstellung wohl mehr angesprochen
als etwa durch ein Buch. Mit ihrer Tätigkeit, die der
Schüler Maximilian Thum zuvor kurz umrissen hatte, hätten
die Seminarkurs-Teilnehmer auch die Grundlage für die
zweite Verlegung von Stolpersteinen vorbereitet, so Schneider.
Sogar eine Broschüre, in der alle Steine und ihre Lage
auf einer Karte verzeichnet sind, sei dazu entstanden.
Christiane Bastian-Engelbert vom HAV meinte, die Ergebnisse
der Arbeit der Schüler könnten sich sehen lassen.
Obwohl die Recherchen keineswegs einfach gewesen seien: Manche
Zeitzeugen wollten sich nicht erinnern, andere wiederum weigerten
sich, über „die schlimme Zeit“ zu sprechen.
Um an Informationen zu kommen, hätten die jungen Forscher
und ihre Helfer nicht nur im Stadtarchiv gewühlt, sondern
auch auswärts – zum Beispiel im Staatsarchiv Ludwigsburg – und
im Internet nach Spuren gesucht. Obgleich die Mühlacker
Gymnasiasten nicht alle Lebensläufe ohne Brüche und
Lücken nachvollziehen konnten, steht für Bastian-Engelbert
fest: Die Aufarbeitung von Geschichte und Erinnerungsarbeit
gerade durch Jugendliche seien wichtige Bestandteile des Widerstands
gegen das Vergessen.
„In unserer Schule wird das Thema NS-Zeit oft und vielfältig
behandelt“, sagte THG-Leiter Thomas Mühlbayer. Das
Leitbild der Schule sehe vor, dass sich die jungen Menschen
zu demokratischen und kritischen Menschen entwickeln. Neben
Wissen würden auch Werte vermittelt und Verständnis
und Toleranz für andere Kulturen geweckt – Werte,
die die Nazis mit Füßen traten. Mit der Fleißarbeit
habe jeder der 15 Schüler auch persönlich „viel
gewonnen“, so Mühlbayer.
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| Die
Ausstellung über „Schicksale im Nationalsozialismus“ in
der Stadtbibliothek weckt großes Interesse.
Rechtes Bild: Bei der Eröffnung (v. li.):
THG-Lehrerin Isabelle Ziegler, Christiane Bastian-Engelbert
(Historisch-Archäologischer Verein), Mühlackers
Oberbürgermeister Frank Schneider, die Schüler
Maximilian Thum und Egemen Korkmaz und Lehrer
Reinhard Dieterich. |
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(Mühlacker Tagblatt vom 23.04.2010, Seite 9, Text
und Foto: Thomas Sadler)
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| Auf
den Spuren der Steinzeitjäger
Wetter
erinnert an die Eiszeit: Heimatkundlicher Sonntagsspaziergang
führt ein Dutzend Teilnehmer in das Schönenberger
Tal
Mühlacker.
Ein eiszeitlicher Rentierjäger hat kurzzeitig an einem
kleinen Weiher im Schönenberger Tal sein Lager aufgeschlagen,
und sein Rastplatz war eine der Stationen auf dem zweiten heimatgeschichtlichen
Sonntagspaziergang des Historisch-Archäologischen Vereins
Mühlacker.
Ein knappes Dutzend Unerschrockener trotzte
den Windböen und dem Regen und folgte Sonngard Bodner
auf dem Weg "Vom Mammutzahn zum Fürstengrab" von
der alten Bahnbrücke über die Ulmer Schanz zum Schönenberger
Tal.
Mammuts, Wollnashörner und riesige Rentierherden
seien während der letzten Eiszeit durch die Region gezogen,
erzählte die Heimatkundlerin. Beweis dafür: In den
50er Jahren sei, wie Bodner erinnerte, auf dem Areal der Ziegelei
ein rund 2,5 Meter großer Mammut-Stoßzahn
zutage gefördert worden. Bearbeitete Rentierstangen deuteten
auf ein Lager aus dem späten Tertiär hin und Steinbeile,
die in den 30er Jahren am Südhang bei der Bismarckstraße
gefunden wurden, auf eine jungsteinzeitliche Ansiedlung aus
dem fünften Jahrtausend vor Christi. Vermutet werde auch
ein keltisches Dorf auf dem Gelände des ehemaligen Ziegelwerks.
Dafür sprächen sowohl die nahen Grabhügel, als
auch einige wenige Siedlungsspuren, die in den 30er Jahren
beim Lehmabbau entdeckt wurden.
Allerdings, bedauerte die Heimatgeschichtlerin,
seien die Schaufeln des Löffelbaggers "schon ein
arg grobes Grabungsgerät gewesen". Inzwischen sei
die ehemalige Lehmgrube teilweise wieder verfüllt und
habe sich zu einem Biotop entwickelt, in dem Feldhasen und
Füchse heimisch geworden seien.
Welcher Methoden sich die eiszeitlichen Jäger
bedienten, um ein Feuer zu entzünden, und welche Techniken
sie auf der Jagd anwandten, erklärte an seinem "Rastplatz" im
Schönenberger Tal Oliver Neumaier von der Horrheimer Natur-
und Wildnisschule und Steinzeitwerkstatt "Einfach Natur".
(Mühlacker Tagblatt vom 13.04.2010, Seite 8, Text
und Foto: Rainer Appich)
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Schüler
erkunden Opfer-Schicksale
Stolperstein-Aktion
wird fortgesetzt - Zwölftklässler des Theodor-Heuss-Gymnasiums
sammeln Daten
Die Teilnehmer
eines Seminarkurses am Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) leisten
einen wichtigen Beitrag dazu, dass in Mühlacker und
den Stadtteilen bald weitere Stolpersteine verlegt werden
können, die an das Schicksal von Opfern des NS-Regimes
erinnern.
Mühlacker.
Nicht nur weit entfernt, sondern möglicherweise in der
unmittelbaren Nachbarschaft haben Menschen gelebt, die aus
den unterschiedlichsten Gründen zu Opfern der Nationalsozialisten
wurden. Dies haben der Historisch-Archäologische Verein
(HAV) und das Mühlacker Stadtarchiv im vergangenen Jahr
deutlich vor Augen geführt, als auf ihre Initiative hin
der Künstler Gunter Demnig elf so genannte Stolpersteine
in den Gehweg einließ - jeweils direkt vor dem letzten
Wohnort der Opfer. Die Aktion, die, wie Christiane Bastian-Engelbert
vom HAV zurückblickt, auf "überwältigendes
Interesse" gestoßen ist, wird nun fortgesetzt: Archiv
und HAV haben in engagierten Schülern und Lehrern des
THG neue Kooperationspartner gefunden. Und die Unterstützung
ist willkommen: Schließlich sei es nicht einfach, weitere
Daten zusammenzutragen, die Recherchemöglichkeiten in
Mühlacker selbst seien weitgehend ausgereizt. Namen von
möglichen weiteren Opfern allein genügten nicht,
diese müssten um die relevanten biographischen Daten ergänzt
werden.
Diese Aufgabe haben sich 15 Zwölftklässler auf die Fahnen
geschrieben, die seit Beginn des Schuljahres an einem von den Pädagogen
Isabelle Ziegler und Reinhard Dieterich geleiteten fächerübergreifenden
Seminarkurs teilnehmen. Im Rahmen der zeitaufwendigen Arbeit bereiten
die an Mühlacker und der Lokalhistorie interessierten jungen
Leute gemeinsam und in Gruppen die Stolperstein-Verlegung, eine
zum Thema passende Ausstellung in der Stadtbibliothek, einen Dokumentarfilm
und einen Flyer vor. Dafür haben sie, ausgehend von den Erkenntnissen
der Heimatforscherin Elisabeth Brändle-Zeile, eine intensive
Spurensuche aufgenommen, die sie unter anderem ins Staatsarchiv
nach Ludwigsburg geführt hat, wo dessen Mitarbeiter im Vorfeld
die "Aktenberge" gesichtet und interessantes Material
zu Tage gefördert haben.
"In den meisten Fällen wurden wir fündig", berichtet Geschichtslehrerin
Isabelle Ziegler und kündigt an: "Maximal sieben neue Steine werden
am 27. April verlegt - in Mühlacker und wohl auch in Dürrmenz und Lienzingen." Im
Einzelfall bestehe allerdings noch Klärungsbedarf, weshalb sie jetzt noch
keine Namen verraten wolle.
War Mühlacker tatsächlich der letzte freiwillig gewählte
Wohnort der Opfer? Unter anderem nach einer Antwort auf diese Frage
haben die 17-jährigen Schülerinnen Miriam Kornher und
Sarah Link in dieser Woche in Ludwigsburg gesucht. "Die Spurensuche
ist aufregend", betont Sarah, "die tragischen Schicksale
werden lebendig." Doch leider seien viele Dokumente vernichtet
worden. "Vielleicht können wir durch die Befragung von
Zeitzeugen mehr herausfinden", hofft Miriam.
Der Erfolg auf diesem schwierigen Terrain ist allerdings ungewiss
- gelte es doch, wie Christiane Bastian-Engelbert weiß, auch
mit den Nachkommen zu sprechen. Und die Zeit drängt: Ende
Januar wird Isabelle Ziegler dem Künstler die Daten übermitteln.
Doch mit der Stolperstein-Verlegung im April wird das Interesse
an der Mühlacker Geschichte und dem Schicksal der vom NS-Regime
Verfolgten nicht aufhören, ist die Lehrerin überzeugt.
Auch in der Mühlacker Bevölkerung werde die Aktion gegen
das Vergessen auf ein möglichst großes Echo stoßen,
hofft sie.
Wer das Projekt mit weiteren Informationen oder einer Spende
unterstützen möchte, kann sich unter Telefon 07041/876322
an das Mühlacker Stadtarchiv wenden.
(Mühlacker Tagblatt vom 21.01.2010, Seite 8, Text
und Foto: Carolin Becker)
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